Lexikon
Im GranoVital-Lexikon erhalten Sie ausführliche Informationen und Definitionen zu diversen Stichwörtern rund um Ernährung und Gesundheit.
Urheber dieses Lexikons ist die Reformhaus Fachakademie. Inhaltliche Abweichungen zu den GranoVital Produktinformationen sind daher grundsätzlich möglich.



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Tryptophan

Die Aminosäure Tryptophan ist eine essentielle (unentbehrliche) Aminosäure. In der Natur üblich ist das L-Tryptophan.
Die ernährungsphysiologische Bedeutung liegt vor allem in der Rolle als Vorstufe für die Serotoninbildung, ein Neurotransmitter, der als “Stimmungsaufheller“ gilt.

Biochemie:

Charakteristisch für das L-Tryptophan ist der aromatische Indolring. Zusammen mit Histidin, Phenylalanin und Tyrosin zählt Tryptophan zu den aromatischen Aminosäuren. Tryptophan ist schlecht wasserlöslich.
Pflanzen und Mikroorganismen können Tryptophan synthetisieren, der Mensch nicht. Daher muss diese Aminosäure mit eiweißhaltigen Nahrungsmitteln zugeführt werden.
Um Tryptophan in den bedeutenden Neurotransmitter Serotonin zu überführen sind folgende Stoffwechselschritte erforderlich:

Tryptophan


Funktionen von Tryptophan:

Tryptophan hat folgende Funktionen im menschlichen Organismus:

Voraussetzung für den Umbau von Tryptophan zu Serotonin ist die Überwindung der so genannten Blut-Hirn-Schranke, das heißt Tryptophan muss ins Gehirn geschleust werden. Eine eiweißreiche Kost enthält zwar reichlich Tryptophan, allerdings auch verschiedene Aminosäuren (verzweigt-kettiges L-Valin, L-Leucin und L-Isoleucin sowie aromatisches L-Phenylalanin und L-Tyrosin), die mit dem Tryptophan um den Eintritt ins Gehirn “konkurrieren“.

Um diese Konkurrenten auszuschalten sind verschiedene Ernährungsmaßnahmen hilfreich. So kann durch die Aufnahme schnell wirksamer Kohlenhydratträger nach Eiweißverzehr, der Insulinspiegel erhöht werden. Als Folge werden die mit Tryptophan konkurrierenden Aminosäuren in die Muskelzellen geschleust, das Tryptophan kann quasi ungehindert die Blut-Hirn-Schranke passieren.
Eine andere Möglichkeit ist eine längere Nahrungskarenz mit anschließender Eiweißmahlzeit. In dieser Stoffwechsellage werden die Tryptophankonkurrenten ebenfalls verstärkt in die Muskeln eingeschleust.

Das Tryptophanderivat L-5-Hydroxytryptophan wird deutlich effektiver zu Serotonin umgebaut. Daher wird hiervon eine geringere Dosis benötigt.

Tagesbedarf:

Der Tagesbedarf liegt bei 3,5-6,0 mg pro kg Körpergewicht. Er unterliegt starken individuellen Schwankungen.

Tryptophanmangel:

Tryptophanmangelsituationen sind in Industrienationen mit ihrer eiweißreichen Kost so gut wie unbekannt. Es gibt allerdings einige Faktoren, die den Tryptophanspiegel im Blut vermindern können. Dazu zählen:

Gehalt in Lebensmitteln:

Die folgende Übersicht zeigt tryptophanreiche Lebensmittel mit ihrem absoluten und relativen Tryptophananteil.

Tryptophan-Anteil in Lebensmitteln

Lebensmittel Gesamtprotein Tryptophan Anteil
*1 *2
Kakaopulver, ungesüßt 19,60 g 293 mg (k. A.). 1,50 %
Cashew-Kerne 18,22 g 287 mg 450 mg 1,60 %
Erbsen, getrocknet 24,55 g 275 mg 350 mg 1,10 %
Hähnchenbrustfilet, roh 21,23 g 267 mg 310 mg 1,30 %
Schweinefleisch, roh 20,95 g 220 mg 300 mg 1,10 %
Lachs, roh 20,42 g 209 mg 260 mg 1,00 %
Haferflocken 13,15 g 182 mg 190 mg 1,40 %
Walnüsse 15,23 g 170 mg 170 mg 1,10 %
Hühnerei 12,57 g 167 mg 230 mg 1,30 %
Reis, ungeschält 7,94 g 101 mg 90 mg 1,30 %
Mais-Vollkornmehl 6,93 g 49 mg 49 mg 0,70 %
Kuhmilch, 3,7 % Fett 3,28 g 46 mg 46 mg 1,40 %


Quellen: 1* = Nährstoffdatenbank des US-Landwirtschaftsministeriums, 22. Auflage;
2* = Souci Fachmann Kraut: Die Zusammensetzung der Lebensmitel; medpharm 2000

Anwendung als Arznei-/Nahrungsergänzungsmittel:

Tryptophan wird als Mittel gegen Depressionen sowie zur Beruhigung und Schlafförderung eingesetzt. Ferner ist es Bestandteil von Nährlösungen für die parenterale Ernährung.

Rechtlicher Status:

Als Mittel gegen Depressionen ist es in Deutschland verschreibungspflichtig, in Österreich und der Schweiz generell.
Nur in Deutschland darf L-Tryptophan als mildes Schlaf- und Beruhigungsmittel frei verkauft werden. Die Tagesdosis liegt in der Regel zwischen 250 und 500 mg.

Nebenwirkungen/Überdosierung:

Eine Überdosierung von L-Tryptophan ist kaum möglich, da ein verstärkter Abbau des L-Tryptophans bei hohen Spiegeln ausgelöst wird. (Rückkoppelung durch Aktivierung des Enzyms Tryptophan-2,3-Dioxygenase).
Als Nebenwirkungen bei Tryptophangabe werden genannt: 

L-Tryptophan war bis Januar 1996 in den Vereinigten Staaten verboten. Das Verbot geht zurück auf die Verwendung von verunreinigtem L-Tryptophan des japanischen Unternehmens Showa Denko in den 1980er Jahren. Die unreine Substanz war gentechnisch hergestellt worden und soll für das Auftreten von Fällen des EMS-Syndroms (Eosinophilie-Myalgie-Syndrom) mit teilweise tödlichem Ausgang verantwortlich gewesen sein.




Literatur
  • Kasper.H.: Ernährungsmedizin und Diätetik; 10. Aufl. 2004, Verlag Urban & Fischer
  • RÖMPP Online - Version 3.5. Georg Thieme Verlag KG, Thieme Chemistry (Hrsg.): Stuttgart 2009.

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