Urheber dieses Lexikons ist die Reformhaus Fachakademie. Inhaltliche Abweichungen zu den GranoVital Produktinformationen sind daher grundsätzlich möglich.
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Gicht
Gicht ist eine ererbte Stoffwechselstörung des Purin- bzw. Harnsäurestoffwechsels. Bei erhöhter Konzentration in Blut (Hyperurikämie) und Körpersäften kann die Harnsäure auskristallisieren und zu dem äußerst schmerzhaften Gichtanfall führen. Betroffen sind in erster Linie das große Zehengelenk, das Daumengelenk, Sehnenscheiden und Knorpel. Hyperurikämie bezeichnet erhöhte Harnsäurewerte (über 6,5 mg%) und kann jahrelang unbemerkt einer Gichterkrankung vorausgehen.
Verbreitung:
Die Gichterkrankung betrifft hauptsächlich Männer, das Verhältnis Männer zu Frauen liegt bei 10:1. Etwa 3-5% aller Männer erleiden bis zum 65. Lebensjahr einen Gichtanfall. Die Wahrscheinlichkeit steigt mit zunehmendem Alter.
Ursachen:
- Vererbte Störung der Harnsäureausscheidung über die Niere
- Überernährung mit zu hoher Purinaufnahme (Purine sind Zellkernbestandteile)
- Vermehrte Harnsäureproduktion durch Enzymdefekt in der Leber (selten)
- Fehlernährung mit übermäßigem Fleischkonsum
- Hohe Alkoholzufuhr: Alkohol hemmt die Harnsäureausscheidung
- Fasten: durch Übersäuerung in den ersten Tagen
- Stress
- Verletzungen, chirurgische Eingriffe
- Übergewicht senken - knappe Energiezufuhr, kein Fasten!
- Hoher Anteil basenüberschüssiger vegetabiler Frischkost durch Salate und Obst. Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen) nur gelegentlich verzehren
- Einschränkung des Fleischverzehrs durch wenigstens 2 fleischfreie Wochentage und max. 100g Fleisch/Wurst pro Tag
- Reduktion des Fettverzehrs durch fettarme Milchprodukte wie Magerquark, fettarmer Käse
- Reduktion des Zuckerverzehrs
- Ausschaltung von Alkohol
Sollte mit der Ernährungstherapie der Harnsäurespiegel nicht ausreichend gesenkt werden können, muss zur Vermeidung weiterer Gichtanfälle auf Medikamente zurückgegriffen werden.
Hier gibt es im wesentlichen zwei Gruppen:
1. Urikosurika - verbessern die Harnsäureausscheidung
2. Xanthinoxidasehemmer - hemmen den Abbau von Purinen zu Harnsäure (z.B.: Allopurinol)
Zusätzliche Empfehlungen:
- Reichlich Flüssigkeit (2 Liter), um die Ausscheidung zu verbessern, z.B: Tees, Gemüsesäfte, Molke-Kwass, Mineralwasser.
- Bei Sauermilchprodukten sind Produkte mit über 90% L(+)-Milchsäure zu verwenden, da diese zu keiner weiteren Säurebelastung führen.
- Molke-Trinktage
- Sojatrockenfleischprodukte auf Portionen von 25 g beschränken. Tofu und Sojamilch sind praktisch purinfrei.
- Grüner Hafertee, Brennnessel, Birke fördern die Harnsäureausscheidung.
- Fasten ist im Prinzip sinnvoll und kann durch Normalisierung des Körpergewichts zu einer Normalisierung des Harnsäurespiegels führen. Es darf jedoch nur unter ärztlicher Aufsicht und eventueller Medikamentengabe durchgeführt werden.
- Auf Hefekonzentrate ist wegen des hohen Puringehaltes zu verzichten. Hierzu zählen in entsprechender Dosierung:
Flüssighefe, Hefeextrakt, Hefetabletten und -pulver, Hefeflocken.
| Gehalte harnsäurebildender Purine in Nahrungsmitteln: | ||||||
| Nahrungsmittel | in 100g |
pro Portion |
Portionsgröße |
|||
| Schweinekotelett | 120 mg | 180 mg | 150 g | |||
| Hackfleisch | 130 mg | 200 mg | 150 g | |||
| Schinken, gekocht | 120 mg | 60 mg | 50 g | |||
| Schinken, roh | 70 mg | 35 mg | 50 g | |||
| Rindfleisch | 130 mg | 200 mg | 150 g | |||
| Bries | 1030 mg | 1030 mg | 100 g | |||
| Huhn, Brust | 170 mg | 260 mg | 150 g | |||
| Krabben | 170 mg | 170 mg | 100 g | |||
| Miesmuscheln | 370 mg | 500 mg | 30 Stck | |||
| Scholle | 150 mg | 230 mg | 150 g | |||
| 1 Ei | 1 mg | 50 g | ||||
| Milch, -produkte | 0 | 0 | 0 | |||
| Hefeflocken | 1420 mg | 284 mg | 20 g | |||
| Sojabohnen | 380 mg | 190 mg | 50 g | |||
| Sojatrockenfleisch | 345 mg | 80 mg | 25 g | |||
| Sojadrink, Tofu | 0 | 0 | 0 | |||
| Erbsen, grün | 150 mg | 220 mg | 150 g | |||
| Linsen | 190 mg | 50 mg | 25 g | |||
| Salate, Kohl | 5-30 mg | 10-45 mg | 150 g | |||
| Kaffe, Tee, Kakao | 0 | 0 | 0 | |||
| Bier | 15 mg | 80 mg | 500 ml | |||
Literatur
- Anemueller, H.: Das Grunddiät-System, Leitfaden der Ernährungstherapie mit Vollwertnahrung; Stuttgart: Hippokrates-Verlag, 1987.
- Elmadfa, I. u.a.: Die große GU-Nährwert-Tabelle; München: Gräfe+Unzer-Verlag.
- Reformhaus-Ratgeber: Erhöhter Harnsäurewertew und Gicht; Deutscher Reform Verlag, Bad Homburg.
- Wolfram, G. u.a.: Ernährung bei Gicht; Stuttgart: Thieme-Verlag.
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