Urheber dieses Lexikons ist die Reformhaus Fachakademie. Inhaltliche Abweichungen zu den GranoVital Produktinformationen sind daher grundsätzlich möglich.
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EHEC
EHEC ist die Abkürzung für den Bakterienstamm Enterohämorrhagische Escherichia coli. Es handelt sich um einen Bakterienstamm, der über eine Verunreinigung von Nahrungsmitteln Infektionen beim Menschen auslösen kann.
Herkunft und Abstammung von EHEC:
Der Bakterienstamm Escherichia coli ist bei Mensch, Tier und in der Umwelt weit verbreitet. Bei Mensch und Tier kommt das Bakterium im Enddarm vor. Es wird als Indikator für fäkale Verunreinigungen genutzt, z.B. als Coli-Keimzahlbestimmung bei Milch und Trinkwasser. E.coli wurde lange Zeit als nicht krankheitserregender Darmbewohner betrachtet. Innerhalb der Arten von E.coli kommen jedoch Stämme mit krankheitserregenden Eigenschaften vor. Diese lassen sich nach dem typischen Krankheitsbild, das sie erzeugen, in folgende Gruppen einteilen:
- enteropathogene E.coli (EPEC)
- enterotoxinbildende E.coli (ETEC)
- enteroinvasive E.coli (EIEC)
- enterohämorrhagische E.coli (EHEC)
EHEC-Krankheitsbilder:
In den meisten Fällen verlaufen EHEC-Infektionen symptomlos. Manche Menschen können aber mit Durchfall reagieren, der in schweren Fällen schmerzhaft und blutig verläuft, in der Regel aber nach 6 - 10 Tagen ausheilt.
Bei bis zu 20 % der Infektionen kommt es jedoch zu lebensbedrohlichen Komplikationen, die als hämolytisch urämisches Syndrom (HUS) beschrieben sind. Beim HUS kommt es zu einer Zerstörung der roten Blutkörperchen, einer schweren Anämie (Blutarmut), Blutungen, Blutgerinnungsstörungen sowie Nierenschädigungen. Lebensbedrohliche Verläufe mit Dialysepflicht sind häufig, etwa 10 % der HUS-Fälle verlaufen tödlich.
Häufigkeit und Auftreten von EHEC-Infektionen:
EHEC-Infektionen kommen weltweit vor. In Deutschland wurden bisher nur wenige Fälle publiziert: 1989 erkrankte ein vierjähriges Mädchen in Schleswig-Holstein und entwickelte ein HUS (s.o.). Als Infektionsquelle wurde die Rohmilch eines Milchviehbestandes identifiziert, in dem 3 Kühe Dauerausscheider von EHEC waren. Bei einer weiteren Infektion in einer Kindertagesstätte erkrankten 2 Erwachsene und 39 Kinder. Drei Kinder entwickelten ein HUS, ein Kind starb daran. Die Infektionskette konnte in diesem Fall nicht lückenlos aufgeklärt werden. Größere Krankheitsausbrüche sind auch in Nordamerika und Großbritannien dokumentiert.
Insgesamt liegen keine verlässlichen Zahlen über die Häufigkeit des Auftretens vor, da EHEC-Infektionen zur Zeit nicht meldepflichtig sind.
Risikogruppen:
Ein erhöhtes Risiko, lebensbedrohliche Krankheitsverläufe infolge einer EHEC-Infektion zu erleiden, haben folgende Gruppen:
- immunabwehrgeschwächte Personen
- schwangere Frauen
- Kinder von 0 - 4 Jahren
- alte Menschen
- kranke Menschen
Die meisten Ausbrüche der für EHEC typischen Krankheitsbilder konnten auf den Verzehr von nicht ausreichend erhitztem Rindfleisch und von nicht pasteurisierter Milch zurückgeführt werden.
Als Hauptquelle gelten Nutztierbestände, v.a. Rinder. EHEC wurde aus gesunden Rindern z.B. in den USA, Kanada, Großbritannien, Deutschland, Spanien und Argentinien isoliert. Auffällig war das häufigere Vorkommen bei Milchkühen.
Durch das häufige Vorkommen im Rinderkot kann es beim Schlachten zu Verunreinigungen des Schlachtkörpers kommen. Erkrankungen beim Menschen können v.a. durch
- ungenügend erhitzte Frikadellen/Hamburger,
- belastete Rohwürste (Salami) und
- Rohmilch
Vorbeugung von EHEC-Infektionen:
Wie bei der Salmonellenproblematik ist die richtige hygienische Verhaltensweise von größter Bedeutung. Entscheidend ist das Vermeiden von Erhitzungsfehlern bei der Lagerung und Zubereitung von Lebensmitteln, d.h. ausreichende Erhitzung von Rindfleischprodukten (Rinderbraten, Hackfleisch, Frikadellen) auf Kerntemperaturen von mehr als 70 °C.
Vermieden werden sollte auch der Kontakt von rohem Fleisch mit Arbeitsgeräten, auf denen anschließend Gemüse, Obst oder Salat verarbeitet wird.
Vorzugsmilch und EHEC-Infektionen:
Unerhitzte Milch- und Milchprodukte unterliegen den hygienischen Vorschriften des Lebensmittelrechts. Rohmilch, die nach dem Melken lediglich gefiltert und abgekühlt wird, darf nur mit dem Hinweis "vor Verzehr abkochen" direkt ab Hof an den Verbraucher abgegeben werden.
Für Vorzugsmilch sind dagegen hohe Anforderungen an den Betrieb, den Viehbestand sowie die Milchgewinnung und -vermarktung vorgeschrieben. Die Vorzugsmilch wird regelmäßig auf ihre mikrobiologische Qualität untersucht. Für sie gilt beispielsweise ein Richtwert von 10 coliformen Keimen je ml, worunter auch die E.coli fallen. EHEC wird bei der Routineuntersuchung allerdings nicht gesondert erfasst und bisher können nur wenige Labors diesen Erreger nachweisen. Absolute Sicherheit könnte aber auch eine routinemäßige Bestimmung von EHEC in Vorzugsmilch nicht bieten, da nicht jede Charge untersucht werden kann. Die hohen hygienischen Anforderungen bei der Erzeugung von Vorzugsmilch verringern das Risiko einer Infektion. Ganz sicher ausschließen können sie es allerdings nicht.
Gesunde Jugendliche und Erwachsene sind durch den Genuss von unerhitzter Vorzugsmilch und daraus hergestellten Produkten nicht akut gefährdet. Die Möglichkeit einer Infektion ist zwar nicht absolut auszuschließen, nach allen derzeitigen Erkenntnissen aber geringer als vielfach in der Presse dargestellt. Schwangere, Säuglinge, Kleinkinder bis zum Alter von 4 Jahren, alten und kranken Menschen sowie immungeschwächte Personen sollten allerdings auf erhitzte Milch und Milchprodukte zurückgreifen. Ein Abkochen von Vorzugsmilch im Haushalt macht keinen Sinn, da das haushaltsübliche Kochen zu wesentlich größeren Nährstoffverlusten führt als das Pasteurisieren oder das Ultrahocherhitzen.
Literatur
- Becker, U., Franz, W.: Unerhitzte Vorzugsmilch nach wie vor empfehlenswert; UGB-Forum 3/95.
- DGE-info 3/95: Lebensmittelinfektionen durch Escherichia coli; Ernährungs-Umschau Nr. 4/95, B 16.
- Exner, M.: Persönliche Mitteilung des Direktors des Hygiene-Instituts der Universität Bonn.
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