Lexikon
Im GranoVital-Lexikon erhalten Sie ausführliche Informationen und Definitionen zu diversen Stichwörtern rund um Ernährung und Gesundheit.
Urheber dieses Lexikons ist die Reformhaus Fachakademie. Inhaltliche Abweichungen zu den GranoVital Produktinformationen sind daher grundsätzlich möglich.



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Bisphenol A

Bisphenol A ist in vielen Plastikprodukten enthalten, unter anderem auch in Babyfläschchen und Schnullern. In Deutschland dürfen seit dem 1. März 2011 keine Babyfläschchen mehr mit Bisphenol A hergestellt werden.

Chemie und Verwendung: Die chemische Formel von Bisphenol A ist: 2,2-Bis(4-hydroxyphenyl)-propan. Es entsteht aus der Reaktion von 2 Phenolen und Aceton (daher das A).

Bisphenol A

Die Industriechemikalie wird als Ausgangssubstanz für die Herstellung von Polycarbonat-Kunststoffen und Kunstharzen verwendet. Die Substanz kann in Gegenständen aus Plastik enthalten sein. Problematisch sind solche Produkte, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Beispiele sind Babyfläschchen, Trinkbecher, Plastikgeschirr oder auch die Innenbeschichtung von Konservendosen.

Übergang von BPA in Lebensmittel und andere Gegenstände:

Bisphenol A kann gesundheitsschädliche Wirkungen nur dann auslösen, wenn ein Übertritt aus den oben genannten Gegenständen des täglichen Gebrauchs in Lebensmittel und Getränke erfolgt. Die Freisetzung von BPA wird begünstigt durch folgende Faktoren:

Eine deutlich erhöhte Belastung wurde bei Kassiererinnen in Supermärkten durch einige Arten von Thermopapier, die BPA enthielten, festgestellt. Über dieses Thermopapier kann der Stoff direkt über die Haut ins Blut diffundieren.

Gesundheitsschädliche Wirkungen von Bisphenol A:

Über folgende mögliche Schäden wird aufgrund von Studienergebnissen berichtet:
Hormonelle Einflüsse im Sinne “endokriner Disruptoren“, darunter versteht man Substanzen mit hormonähnlichen Wirkungen, die den Sexualhormonaushalt stören. Eine erhöhte Dosis von BPA kann eine gestörte Entwicklung der Sexualorgane bewirken und folgende Auswirkungen haben: Störungen der männlichen Sexualfunktion (Libidoverlust, Unfruchtbarkeit). Auch die Entwicklung des Nervensystems kann beeinträchtigt werden. Eine besonders kritische Phase ist die Zeit vor und kurz nach der Geburt. Hier reagiert der Organismus besonders empfindlich.

Neue Studien deuten zudem auf einen Zusammenhang zwischen Diabetes, Herz-Kreislaufproblemen, Fettleibigkeit und einem erhöhten BPA-Spiegel im Blut hin. Basis ist eine Querschnittsstudie mit Daten von 1455 erwachsenen Teilnehmern des US-amerikanischen National Health and Nutrition Examination Survey. Darin wurde eine Korrelation der BPA-Konzentration im Urin mit dem mittels Fragebogen erhobenen Vorkommen von Herzkrankheiten, Diabetes mellitus sowie abnormen Blutwerten festgestellt. Ein kausaler Zusammenhang wird damit allerdings nicht zwingend nachgewiesen!

Tolerierbare tägliche Aufnahme von Bisphenol A:

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat den “TDI-Wert“ von Bisphenol A von 0,01 mg im Jahre 2006 auf 0,05 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt. Dieser Wert beziffert die Menge, die ein Mensch ein Leben lang täglich aufnehmen kann (tolerable daily intake), ohne dass unerwünschte gesundheitliche Wirkungen auftreten.

Dies entspricht einem spezifischen Migrationsgrenzwert von 3,0 mg für einen 60 kg schweren Menschen und beinhaltet einen Sicherheitsfaktor von 100. Der Migrationswert ist ein Maß für die Menge BPA, die ein Lebensmittel infolge des Kontaktes mit der Verpackung aufnehmen darf.

Um sicherzustellen, dass der Wert nicht überschritten wird, dürfen Produkte, die Bisphenol A enthalten, nur bestimmte Mengen von dieser Substanz freisetzen.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes werden Kinder in Europa "nach verschiedenen Schätzungen täglich im Mittel mit etwa 0,05 µg Bisphenol A pro Kilogramm Körpergewicht belastet. Im ungünstigsten Fall, so die EU, kommt es zu einer Aufnahme von 11 µg/kg/Tag."

Risikobewertung von Bisphenol A:

Über eine mögliche Gesundheitsgefährdung durch Bisphenol A wird in der Fachwelt, in verschiedenen Ländern sowie bei verschiedenen Behörden kontrovers diskutiert.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht keinen Anlass, die bisherige Risikobewertung für Bisphenol A zu ändern. “Wird die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) 2007 festgelegte tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) von 0,05 Milligramm Bisphenol A pro Kilogramm Körpergewicht eingehalten, besteht für Verbraucher kein gesundheitliches Risiko.“

Das Umweltbundesamt dagegen hat bereits 2001 die Belastung von Babyflaschen und Lebensmitteldosen mit BPA kritisiert und eine Entfernung gefordert. Das Amt hält den bestehenden EU-Grenzwert für zu hoch. Kritisiert wird, dass über 40 Studien universitärer und behördlicher Arbeitsgruppen an Nagern seitens der EFSA für die Risikobewertung verworfen wurden, obwohl die Ergebnisse schädigende Wirkung deutlich unterhalb der angeblich sicheren Dosis aufwiesen.

Zum 1. März 2011 hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz BPA in Babyflaschen verboten, ein Abverkauf bereits produzierter BPA haltiger Fläschchen war noch bis Ende Mai 2011 erlaubt. (Verordnung des Bundesverbraucherschutzministeriums - BMELV, Pressemitteilung Nr. 042 vom 11.02.11)

Die Europäische Kommission hat sich aus “Gründen des vorsorgenden Verbraucherschutzes und der bestehenden Unsicherheiten hinsichtlich der Unbedenklichkeit von Bisphenol A“ der kritischen Bewertung angeschlossen.

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (dge):

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (dge) hält das Risiko für eine gesundheitsschädliche Wirkung von BPA für gering, sofern die Grenzwerte eingehalten werden. In einer Stellungnahme aus dem Jahre 2009 heißt es:
“Nationale und internationale wissenschaftliche Gremien wie die Beratungskommission der Gesellschaft für Toxikologie e. V., die Europäische Chemikalienbehörde ECB, die amerikanische Lebensmittelsicherheitsbehörde FDA und das japanischen Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie teilen die Bewertung der EFSA und des BfR, dass die derzeit bekannte BPA-Exposition keine gesundheits-schädlichen Wirkungen für Verbraucher hat.“




Literatur

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